Okt 042015
 
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Es ist nie leicht, sorgsam hochgezogene und geschätzte Ideen wieder von ihrem Thron zu stoßen, doch manchmal ist es einfach besser so. Worum es geht? Um den Kern des Rollenspiels der Zukunft, jenen Part, der bestimmt, was die Spieler machen, was sie sind und was sie werden können – um Starslayer halt.

Das Konzept der Starslayer – jenen durch den Cut abtrünnig gewordenen Elitesoldaten des Imperiums – hat seinen ganz speziellen Reiz für das Rollenspiel:
Zusammen mit ihrer quasi „angeborenen“ Sinnkrise durch ihre „Wiedergeburt“ sowie technischem Schnickschnack wie den PsiBros fordern sie eine ganz andere Herangehensweise für Spieler, sich mit ihrem Charakter auseinander zu setzen.
Keine Frage – einen frisch gecutteten Starslayer zu spielen hat was, dennoch haben wir uns entschieden, ihre Dominanz im Rollenspiel der Zukunft drastisch zu beschneiden.

Was ist geschehen?

Ganz einfach: Wir haben uns Eure Worte zu Herzen genommen.
Erst zögerlich und nur testweise, doch inzwischen sind wir gänzlich auf Eurer Seite angekommen.

Aber fangen wir von vorne an.

Starslayers wurde von uns ursprünglich so konzipiert, dass standardmäßig die Spieler eben solche Starslayer auch verkörpern.
„Normale“ Charaktere waren zwar trotzdem immer möglich, aber der Fokus lag ganz klar auf gecuttete Ex-Elitesoldaten des Imperiums – was nicht jedem von Euch zusagte.
Erstmals kamen nach der Vorstellungsrunde auf der Slayvention 2014 solche Stimmen auf.
„Kein Thema“, haben wir uns da gedacht: „Am Ende wird das Konzept Euch schon überzeugen.“

Sagen wir immer noch, aber reicht das als Grund?

Wollen wir wirklich ein SciFi-Rollenspiel, das einen so engen, wenn auch reizvollen Fokus schafft, bei dem „alles andere“ nur Beiwerk ist?
Wäre das richtig?
Immerhin geht es hier um ein Spiel der SlayEngine, deren Regelsysteme sich durch Universalität und Anpassungsfähigkeit auszeichnen, nicht durch Einengung und einer notwendigen Beschneidung, bevor man selber loslegen kann.
Dungeonslayers ist da das beste Beispiel: Ein generisches Fantasy-System, mit dem jedes Setting möglich ist.

Nichts anderes bot zwar Starslayers auch – allerdings lag bei unserem bisherigen Aufbau des Regelwerks über allem erstmal die dominierende Dunstglocke der gecutteten Elitesoldaten.

Beispielsweise konzentrierte sich die Charaktererschaffung primär auf „echte“ Starslayer, während überall Hinweise aufgeführt waren, wie man denn vorgehen muss, wenn man einen ganz „normalen“ SC erstellen will.
Mit dieser Aufteilung waren wir nie wirklich zufrieden und als dann erste Stimmen laut wurden, dass der Fokus auf die elitären Starslayers das eigentliche SciFi-Rollenspiel zu sehr einschränken würde, fragten wir uns, ob wir nicht besser auf Euch hören sollten.

Zudem stellte auch unsere wöchentliche Haupttestrunde nach 2 Jahren Dauerspiel fest, das „immer nur Starslayer“ halt auch „immer nur Starslayer“ ist – von damit verbundenen Kampagnenthemen und Plot-Specials ganz zu schweigen.

Der Reiz der Normalität

Schließlich machten wir mit „normalen“ Charakteren dann die Probe aufs Exempel – und stellten fest: Is‘ ja irgendwie auch ganz schick.
Eigentlich sogar viel schicker.

Plötzlich saßen keine hochgerüsteten, technisch überlegenen Ex-Elitesoldaten mehr am Spieltisch, sondern trinkende Söldner, gewiefte Schmuggler, rebellische Widerstandskämpfer, schrullige Wissenschaftler und sexy Replikanten.
Die Plots wurden nicht mehr von der Rache gegen das böse, böse Imperium oder dem Schatten der Vergangenheit dominiert, stattdessen brachte man einfach mal Mondmaden von A nach B, versuchte sich als Waffenhändler, floh vor Autoritäten oder hing in schäbigen Bars rum.
Arm, aber sexy.

Und endlich kamen auch mal die Handelsregeln voll zum Einsatz, konnte das Motivations-Modul vernünftig getestet werden und immer mehr Aliens wurden Gruppenmitglied.

Kurz: Viel geiler, weil freier.

Und nu?

Es gibt eine ganz klare Kursänderung, die wir bereits seit der Sternenstreuner-Edition schon eingeschlagen haben – nicht ohne Grunde tauchen dort die elitären Starslayer kein einziges Mal auf, stattdessen schlüpfen die Spieler in die Rollen von unbedeutenden Anfängern und Lowlifes, befreit von allen einengenden Settingzwängen.
Man ist quasi „normal“ und macht „normale“ SciFi, ohne einen dominierenden Fokus.

Und genau dort geht nun die Reise hin.

Damit einhergehend werden wir in den nächsten Wochen auch nach für nach die Webinhalte anpassen, die bis jetzt ja auch noch ganz klar primär von den Starslayern handeln.
Trotzdem schießen wir die Starslayer nicht in die Tiefen von Sektor X, sondern werden sie weiterhin im Regelwerk lassen – nun allerdings eher in Form eines Anhangs, statt als Hauptaugenmerk.

Auch wenn wir durch diese Änderungen das Rollenspiel der Zukunft nicht wirklich neu erfinden müssen (nur die bisherige Gliederung erwischt es richtig böse), wird dennoch ein komplett anderes Spiel daraus, das Euch und Euren Runden „by the book“ viel mehr Möglichkeiten bieten wird, als dies bisher der Fall war und wir sind absolut sicher, das wird Euch richtig gut gefallen.
Und wie gesagt – wer immer noch das „alte“ Starslayers der PsiBro-tragenden Elitesoldaten spielen will, kann diese auch weiterhin tun.

Tja, das war ’s auch schon.
Jetzt wisst Ihr bescheid, auch wenn Ihr nicht auf der diesjährigen Slayvention ward.
In den kommenden Tagen widmen wir uns wieder Patch 1.1 und werden auch nochmal darauf eingehen, was die Printversion der Sternenstreuner-Edition – die zur SPIEL erscheint – von ihrem PDF unterscheidet.

Bis dahin wünschen wir Euch – wie immer – viel Spaß und sagen Danke dafür, dass Ihr uns zum Umdenken gebracht habt.